Autor Thema: Grafschaft Vigneronne  (Gelesen 3889 mal)

Sally/Siefke

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Grafschaft Vigneronne
« am: Dezember 03, 2009, 12:32:28 »
Der Sitz des Comte Guillaume de Vigneronne ist die Traubenburg bzw. Château de Raisin. Es liegt recht mittig in der Grafschaft und ist nur 2-3 Stunden Fußmarsch vom Silbersee entfernt, an dessen idyllischer Küste natürlich auch ein adretter Sommerpalast steht: das berühmte zierliche Märchenschloss Maison de la Nacre, dessen Außenwände mit abertausenden Muschelschalen besetzt sind, sodass das Perlmutt im Sonnenlicht schimmert und funkelt.

Vigneronne ist seit jeher bekannt für seine weitläufigen Weinberge. Allerdings wurden diese ursprünglich nicht in erster Linie zum Weinanbau genutzt, sondern um Weinbergschnecken zu züchten. - diese gelten als Spezialität und werden im ganzen Herzogtum geschätzt. Abgesehen von den Weinbergen am Fluss Dascon und links vom Silbersee ist das restliche Land eher sanft hügelig, bewaldet und mit einzelnen Landsitzen bestückt. In den Silbersee fließen zwei Flüsse: von Norden her die Khelm und von Westen die Truite Gaie. Zwischen dem Silbersee und dem Dascon fließt der Enn, der jedoch im Laufe der Zeit stark begradigt, verbreitert und vertieft wurde und von Staudämmen und Schleusen durchsetzt ist.
Der große Silbersee selbst ist das Mahl- und Sägezentrum des Herzogtums. Durch künstliche Aufstauung des Wassers und kontrollierten Ablass wird genügend Wassergeschwindigkeit erzeugt, um ein wahres Heer von Wasserrädern anzutreiben. Diese Räder bewegen derzeit zwölf Mühlen, die drei Viertel der dasconschen Getreideproduktion mahlen. Ebenso werden dort vier Sägewerke betrieben, die sämtliches Holz in gebrauchsfertige Stücke verarbeiten. Ausgelastet sind diese Werke allerdings nur noch sehr selten, weil es solche Mengen an Material schlichtweg nicht mehr braucht. Sie sind vielmehr ein Relikt aus vergangenen Wachstumsjahren im Herzogtum, in denen die Waldbestände in Vigneronne stark dezimiert worden sind um die zerstörten und neuen Anwesen und Befestigungsanlagen nach dem Befreiungskrieg errichten zu können. Seit etwa zweihundert Jahren betreiben einzelne Lehen Baumschulen, forsten die gerodeten Bereiche auf und in gewissem Umfang wird auch Nutzholz aus Friedland über den Dascon in das Herzogtum geflößt. Die Reste des “echten” alten Waldes stehen unter gräflichem Schutz und wilder Holzschlag wird in Vigneronne beinahe so hart bestraft wie die Wilderei auf edles Getier. Der letzte große Wirtschaftsfaktor Vigneronnes ist die Zucht und Schmuckverarbeitung von Süßwasserperlen. Das Monopol darauf hat die Grafenfamilie, welche die fünf Zuchten allerdings bereits vor Generationen an Lehensnehmer rund um den Silbersee veräußert hat - lediglich einer der Grafensöhne, Antoine Phelip de Vigneronne, unterhält aus persönlichem Interesse eine sehr kleine und auf bunte Perlen spezialisierte Zucht.

In Vigneronne gibt es bis auf kleine Bestände an Nutzvieh zum Eigenbedarf keine nennenswerte Viehzucht, Fleisch kommt bis auf Festanlässe eher aus der Jagd oder wird in der Form von Hartwurst und Schinken importiert. Dafür lieben Vigneronner frischen Fisch, Muscheln etc., auch Pilze sind sehr typisch in vigneronner Gerichten.

Die Bevölkerung von Vigneronne gilt als handwerklich und technisch begabt, kreativ und stilsicher - allerdings auch als versnobt und auf Gewinn bedacht. Im Gegensatz zu anderen dasconschen Grafschaften findet sich hier ein signifikant höherer Anteil an gebürtigen Friedländern, denn bereits lange vor der Blutnacht gab es ob der räumlichen Nähe einige Verwandschaftsbeziehungen in allen Schichten der Bevölkerung. Nach der Besetzung Wolkoviens sollen ein paar wenige überlebende wolkovische Adlige nach Dascon geflohen sein, oder zumindest ihre Kinder unter falschem Namen zu den vigneronner Verwandten geschleust haben.
Während in den meisten Lehen ein beschaulicher, ruhiger Alltag herrscht, gilt die Flussschifferstadt Ennhavre mit ihren knapp 6000 Einwohnern als Schmelztigel der dasconer Erfinder, Künstler und Händler. Der Stadtmagistrat träumt offen von ähnlichen Rechten, wie sie der Rat in Dascon Stadt erkämpft hat, doch da Ennhavre (noch) keine freie Stadt ist und Baron Pascal d’Otrante seine Privilegien fest im Griff behält, geht das offizielle Erstarken des Bürgertums deutlich langsamer vonstatten - obwohl kaum jemand abstreiten würde, dass es die bürgerlichen Handwerker und Händler sind, welche Ennhavre zu immer größerem Einfluss und Reichtum verhelfen.
Auch wenn darüber keine allgemeine Klarheit herrscht, behaupten Ennhavrer steif und fest, dass hier der revolutionäre Druck mit beweglichen Lettern erfunden wurde, von einem Herrn Jean Boncolline, seines Zeichens Goldschmied.

Militärisch gesehen sticht Vigneronne nicht gerade heraus. Die Grenzlehen nehmen ihre Verantwortung ernst, doch generell zählen die vigneronner Ritter dem Klischee nach eher zu den Schöngeistern, Turnierrittern und Höflingen, als zu den Kriegstreibern an vorderster Front. Bemerkenswert ist allerdings die hohe Zahl an guten Schützen - sei es Bogen, Büchse oder Kammergeschütz - aus Vigneronne. Hier greift wohl wieder die sprichwörtliche Geschicklichkeit der Vigneronner mit Werkzeug… alternativ profitieren sie von der beliebten Jagd in den tiefen Wäldern der Grafschaft.

Kurz und knapp:

Export: Wein, Perlen, Bauholz, Mehl, Pilze, Schnecken
Import: Getreide, Keramik, Stoffe, Metalle, haltbare Fleischprodukte, Salz
Besondere/typische Berufe: Treidler, Pilzjäger, Perlenbauer/-schnitzer, Winzer/Weinknecht, Schneckensammler, Müller, Fischer, Förster

Abseits der Grafenfamilie benannte Adlige/Lehen:

Chevalier Yabeau Pretoria de Pervenche
Chevalier Jaques Esteniot de Pervenche zu Coquille
____ du Lac, Knappe von Ritter Ulrich de Sevigny zu Reichenstein
Baron Pascal d’Otrente von Ennhavre

sonstige Orte/Gruppen:

Pixner (Ennhavre)
gefürchtetes Petanque-Team “Vigneronner Weinbergschrecken”
« Letzte Änderung: November 26, 2019, 22:46:35 von Anne »

Anne

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Re: Grafschaft Vigneronne
« Antwort #1 am: November 26, 2019, 22:46:48 »
aktualisiert!

Anne

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Re: Grafschaft Vigneronne
« Antwort #2 am: Mai 18, 2020, 21:09:22 »
Coquille, das Lehen der de Pervenche

Fläche: etwa 50 Quadratkilometer, der Großteil ist bewaldet.
Nördlich begrenzt durch den Fluss Truite Gaie, an dem auch die beiden Sägemühlen des Lehens platziert sind. Östlich reicht das Lehen 70 Meter in das Gewässer hinein. Das Gelände erscheint nicht sehr hügelig, bis man von Westen her das grüne Haus, den Familiensitz der de Pervenche, erreicht hat, und den recht steilen Abhang hinunter zum See sieht. Durch den Weinberg und terassenförmig angelegte Obstgärten winden sich sanfte Serpentinen hinunter zum Uferstreifen, sodass vom Wasser aus der Berg wie ein Schneckenhaus aussieht - daher der Name Coquille.

Bewohner: ~240. Abgesehen von den alteingesessenen Bauern, Handwerkern und dem Gesinde verleben auch eine handvoll pensionierter Armants ohne eigene Familie ihren Lebensabend in Coquille - die Kinder und Jugendlichen im Lehen lieben die alten Boten voller Geschichten und Geheimnisse. Die meisten Bewohner von Coquille leben auf der Landseite des grünen Hauses, jeweils eine Müllerfamilie bewohnt die Mühlen (die Schuberts und die Heinles, sie können sich verständlicherweise nicht ausstehen, sind aber über Ecken verwandt) und ein paar Fischer bevorzugen die Nähe zu ihren Booten und wohnen an den Hang gebaut unten am Ufer. Das grüne Haus hat darüber hinaus noch eine von Bruder Mattes vom Orden der Viktorianer gepflegte, große Kapelle mit einem ewigen Licht für den Stammvater der de Pervenche und einem schönen großen Fresko von St. Pretorius über den Straßen von Dascon.

Export: Holz, Holzkohle, Birnen, Pilze, Honig.
Import: Steinsalz, Getreide (wie alle Silberseemühlen hat auch Coquille einen Teil der herzoglichen Getreideernte zu verarbeiten, darf davon aber 5% einbehalten), Tonwaren/Metallwaren

Sonstiges: Die neue Herrin im grünen Haus hat in den Höhlen unterhalb des Schneckenhauses eine prächtige Champignonzucht aufgezogen, sodass die schmackhaften Pilze nicht nur die eigene Speisekarte erweiterten, sondern inzwischen auch frisch, getrocknet und eingelegt über die Grenzen des Lehens hinaus vertrieben werden können. Aus Tradition heraus wird außerdem im Wald des Lehens Waldmeister angebaut, der jährlich zu frischer Maibowle und einem zart grünem Sirup verarbeitet wird - letztere hat den Spitznamen “Botenglück”.
« Letzte Änderung: Mai 18, 2020, 21:12:38 von Anne »